Mit welchem Motorrad fange ich als Anfänger an, sind 100 PS zu viel?
Mahlzeit, die Linke zum Gruß.
Eine Zuschauerin hat mir vor kurzem die Frage gestellt: Wenn ich als Fahranfängerin mit dem Motorradfahren anfange, welches Motorrad passt dann zu mir? Welches soll ich nehmen? Sind 100 PS zu viel oder zu wenig?
In diesem Beitrag möchte ich ganz schnell auf den Punkt kommen: Wenn ihr nicht trainiert oder übt, dann ist es egal. Dann werdet ihr immer Schwierigkeiten haben.
Der Führerschein setzt schon eine Grenze
Natürlich hängt es auch davon ab, welchen Führerschein ihr fahrt. Fahrt ihr beispielsweise mit dem A1 oder dem A2, seid ihr leistungstechnisch durch den Führerschein limitiert. Weitere Infos bekommt ihr hier: Motorrad-Führerschein: A1, A2, A oder B196?
Klein anfangen, groß rauskommen
Nichtsdestotrotz bin ich ganz der Meinung, dass ihr wie in jedem Hobby und wie in jedem Sport nicht sofort das perfekte Equipment benutzen müsst, weil ihr nicht das gesamte Potential nutzen könnt. Vor allem als Fahranfänger bin ich großer Fan davon, dass man klein anfängt und groß rauskommt.
Wenn jemand noch keinen Führerschein hat und direkt die Klasse A macht, weil das Alter es zulässt, empfehle ich dennoch eine Maschine mit weniger Kubik. Es dürfen gerne, ich sag mal, 60 oder 70 PS sein. Über 100 PS würde ich keinesfalls gehen. In der Regel sind die Motorräder über 100 PS noch mal ein Ticken schwerer. Die sind von der Geometrie noch mal anders aufgebaut, zum Beispiel der Lenkwinkel. Und die haben nochmal deutlich mehr Power. Genau das habe ich im Livestream schon durchgesprochen: Tausender als erstes Bike?
Für jedes Motorrad müssen die Grundlagen sitzen. Darunter ist natürlich das Bremsen. Wer stark beschleunigt, muss auch stark bremsen können. Das muss sitzen. Dazu: Bremse richtig dosieren, und der Baukasten unter Bremsen & Ausweichen. Dann muss man mit dem Motorrad umgehen können, zum Beispiel rangieren: Parken & Rangieren. Und genau da wird es schwieriger, wenn das Motorrad schwerer ist – große Motorräder schieben.
Und dann kommt noch der Preis dazu. In der Regel sind schnellere Motorräder auch ein bisschen teurer, weil ein ganz anderes Material verbaut ist.
Warum ich selbst klein angefangen habe
Ich habe immer zu mir gesagt: Mathias, ich möchte niemals, dass jemand zu mir sagt, du kannst nicht Motorrad fahren. Deswegen war mein Anspruch an mich selbst, mit kleinen Motorrädern anzufangen. Gerne auch mit alten Motorrädern, weil ich weiß, welches Material verbaut ist, und ich dadurch immer nur verbessern kann.
Ganz nach dem Motto: Fix the rider before you fix the bike.
Wenn sich das Fahrwerk einer Maschine von 1996 gegenüber einer von 2008 spürbar unterscheidet, dann verstehe ich das, weil ich so ein Motorrad gefahren bin.
Ich beschäftige mich sehr viel mit dem Motorrad. Ich schraube sehr gerne, wechsle die Reifen, wechsle die Bremsen, mache Service. Und dabei habe ich bei älteren und auch bei kleineren Motorrädern einen großen Vorteil festgestellt. Beim Preis, beim Service und bei den Kosten. Wenn ihr so eine sucht: Checkliste Kauf gebrauchtes Motorrad.
Dieselben Herausforderungen, jedes Mal
Um noch mal auf meine Aussage vom Anfang zurückzukommen: Wenn ihr nicht trainiert und nicht übt, ist es egal. Das war meine anfängliche Aussage, und die möchte ich noch mal kurz untermauern.
Jeder Fahranfänger hat immer die gleichen Herausforderungen zu bewältigen. Es sind immer wieder die gleichen Abläufe, die man trainieren muss, die man üben muss, die man in den Kopf und in die Motorik hineinarbeiten muss. Für den Anfang: Übungen für Fahranfänger.
Das beste Beispiel ist die Schräglage. Dazu habe ich schon was geschrieben: Schräglage Motorrad: Wie viel ist möglich – und wie übt ihr sie? Schräglage ist nicht intuitiv im Kopf vorhanden, sondern muss trainiert werden. Auch hier müsst ihr das üben.
Wenn ihr jetzt eine Maschine habt, die schwerer ist oder bei niedrigem Tempo sehr schwergängig, dann habt ihr diese Herausforderung immer dabei. Genau dafür: Langsamfahren & Wenden. Das heißt nicht, dass ihr sie nicht bewältigen könnt. Ich bin nur davon überzeugt, dass es länger braucht, und dass die Herausforderung bei größeren Maschinen größer ist, um die gleiche Technik zu lernen.
Deswegen empfehle ich gerne für die ersten zwei, drei Jahre ein kleineres Motorrad. Eine saubere Technik üben, umsetzen und in die Motorik hineinarbeiten. Dann merkt ihr auch sofort, dass ihr diese Technik auf jedes beliebige Motorrad übertragen könnt.
Natürlich ist eine Harley etwas anderes als eine GS zu fahren. Prinzipiell ist die Technik aber immer die gleiche, zum Beispiel Lenkimpuls, Körperhaltung und Blicktechnik.
Zusammengefasst
Wenn ihr mit dem Motorradfahren anfangt und sagt, ja, ich will sicher fahren, mein Fahrzeug beherrschen, eine saubere, ordentliche Technik lernen: dann empfehle ich euch, klein anzufangen. Die ersten ein, zwei, drei Jahre. Und dann auf jeden Fall umzusteigen. Wenn die Technik sitzt, könnt ihr euch jedes Motorrad kaufen.
Wenn ihr nur Motorrad fahrt, damit ihr Motorrad fahrt, hobbymäßig, und auf Technik nicht viel Wert legt, ist es eigentlich egal. Dann werdet ihr mit jedem Motorrad Herausforderungen haben.
Die Grundlagen dazu liegen bei den Übungen.
In diesem Sinn,
die Linke zum Gruß
Matze